Dringlichkeitsantrag: Städtisches Hallenbad Meerbusch (Tischvorlage)

Sitzung des Ausschusses für Schule und Sport am 20.09.2012

An die Vorsitzende
des Ausschusses für Schule und Sport
Frau Renate Kox
Stadt Meerbusch
Dorfstr. 20

 

40667 Meerbusch                       
                                                                    Meerbusch, den 20.09.2012


Dringlichkeitsantrag: Städt. Hallenbad Meerbusch (Tischvorlage)
Sitzung des Ausschusses für Schule und Sport am 20.09.2012


Sehr geehrte Frau Kox,

Die FDP-Fraktion beantragt, folgenden Beschluss zu fassen:   

Die Beschlussfassung wird vertragt. Die Verwaltung wird beauftragt, eine vertiefte Gesamt-kostenrechnung für eine Minimallösung ('Aldi'-Bad)  zu erstellen und diese dann dem Ausschuss zur Entscheidung vorzulegen.

Begründung:

In der Beratungsvorlage werden von der Verwaltung 5 verschiedene Entscheidungsalternati-ven mit ihren Vor- und Nachteilen aufgezeigt, von denen letztlich die Alternative 1 als Beschluss vorgeschlagen wird, obgleich sie absolut suboptimal und mit erheblichen Unsicherheiten behaftet ist. Im folgenden wird kurz auf die 5 Alternativen eingegangen, und der oben vorgeschlagene Beschluss begründet.

1. Beibehaltung des Status Quo: Bei dieser Alternative soll der Status Quo beibehalten werden und jährlich 250 000 € für Reparaturmaßnahmen bereitgestellt werden.

Die erste Reparatur ist bereits im nächsten Jahr fällig, nämlich die Reparatur des Hauptdaches (160 000 €) sowie der Einbau einer Brandmeldeanlage (86 000 €). Mit diesen Reparaturen sollte gewartet werden (Hauptdach evtl. nur als Notreparatur), bis eine endgültige Ent-scheidung bzgl. eines Neubaus gefallen ist.

Die Status Quo - Lösung wird eine Dauerbaustelle sein und  dennoch auf Grund der ständig steigenden Betriebskosten in spätestens 10 Jahren zur Schließung des Bades führen – damit stehen wir dann in derselben Situation wie heute. Vor einigen Jahren wurde der Bau des neuen Baubetriebshofes damit begründet, das der Altbau nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sei. Dieses Argument gilt für das Hallenbad in gleicher Weise.

2. Vollständige Sanierung: Dies ist keine gute Lösung, weil

  • die Becken nicht isoliert werden können,
  • der Hygienestandard nicht eingehalten werden kann,
  • die vom Gutachter geschätzten Kosten von 5.14 Mio. € zzgl. Ausstattung mit großer Wahrscheinlichkeit nicht eingehalten werden können,
  • ein Ausfall des Schulschwimmens für mind. 14 Monate nicht akzeptabel ist,die Kosten voll finanziert werden müssen (keine Einnahmen auf der Gegenseite).


3. Teilsanierung: Eine schrittweise Teilsanierung  wird ähnlich wie die Variante 1 eine fortlaufende Reparatur sein mit entsprechenden Ausfallzeiten. Auch wird es keine nachhaltige energetische Lösung geben können, weil sich die Schwimmbecken nicht isolieren lassen. Im übrigen hat der Gutachter darauf hingewiesen, dass es Bedenken gibt, die Hygienevorschriften einhalten zu können.

4. Neubau des Hallenbades: Der Gutachter hat die Kosten für einen Neubau mit 8.7 Mio. € beziffert (inkl. 3m-Sprungturm und Planschbecken). Nach unserer Auffassung sollte die Möglichkeit eines sogenannten Aldi- Bads mit Aufgabe und Verkauf des aktuellen Standorts ins Auge gefasst und unverzüglich geprüft werden, ob dies mit einem Investitionsaufwand von insgesamt 3.0 Mio. Euro möglich ist.

Das Raumprogramm eines neuen Hallenbades sollte nach Auffassung der FDP folgendes beinhalten:

  • Schwimmbecken: 25 x 12.5m mit 4-5 Bahnen und 2.0m Tiefe
  • Lehrschwimmbecken :12.5 x 8m, Tiefe 0- 1.1 m mit EinstiegstreppeOptional: 3-Meter-Sprungturm, Planschbecken ca. 20 qm mit 0.30 m Tiefe, angeschlossene Liegewiese, Cafeteria


Durch die optionalen Elemente wäre das Bad sicherlich attraktiver und würde mehr Besucher anziehen: dadurch könnten die Einnahmen gesteigert werden; Beispiele sind die Bäder Fischeln und Bockum. Ob diese Mehreinnahmen allerdings das größere Investment rechtfertigen, ist zu prüfen. Für uns hat das Ziel einer Schwimmbad- 'Grundversorgung' der Meerbuscher (insbesondere Schulschwimmen) bei minimalem Investment Vorrang.

Damit ergibt sich für uns folgende Zielsetzung bzgl. der Investitionskosten:

  • Bau eines neuen Hallenbads in Strümp (südlich des Meerbusch-Gymnasiums oder auf dem Ascheplatz des SSV mit deutlich geringeren Infrastrukturkosten und einfacher umzusetzendem Planungsrecht); das Grundstück befindet sich im Eigentum der Stadt: - 6.0 Mio. €
  • Abriss des alten Bades: - 0.3 Mio. €
  • Verkauf des alten Standorts (mind. 400 €/qm): + 3.3 Mio. €

Ergebnis:  3.0 Mio. €


Betriebskosten: Ein neues Hallenbad würde entsprechend den erklärten Energiezielen der Stadt nach 'Passivhaus'- Standard gebaut, so dass mit erheblichen Einsparungen an Energie zu rechnen ist. Die Verwaltung setzt für die Steigerung der Energiekosten nur 2% pro Jahr an: dies erscheint uns angesichts einer Inflationsrate von 2% zu niedrig angesetzt – wir rechnen mit Preissteigerungen von mehr als 4% für Strom und mehr als 5% für Erdgas. Die Instandhaltungskosten sollten zumindest in ersten 10 Jahren sehr deutlich geringer sein als beim Altbad. Insgesamt können die Betriebskosten des Bades deutlich und dauerhaft gesenkt werden.

Für die Finanzierung eines Neubaus sollte die Nutzung eines günstigen KfW - Kredits geprüft werden, denn im Prinzip handelt es sich bei diesem Projekt um den Ersatz einer 'Energieschleuder'. Günstiger dürfte es nach unserer Einschätzung sein, für das neue Bad die WBM als Investor und Betreiber zu gewinnen (wie in anderen Städten auch, z.B. Ratingen), wie bereits angedacht bzw. Prüfauftrag (Stichwort Mehrwertsteuer). Die Stadt würde dann nur eine Jahresgebühr für das Schulschwimmen bezahlen. Alternativ könnte die WBM als 'sehr großzügiger' Sponsor auftreten ('WBM- Bad').

5. Badschließung: Die wichtigsten Gegenargumente werden bereits in der Verwaltungsvorlage genannt. Bei allen Bemühungen zur Sanierung des Haushalts hat das Ziel einer Schwimmbad- 'Grundversorgung' der Meerbuscher (insbesondere Schulschwimmen) bei minimalem Investment aus unserer Sicht zunächst noch Vorrang. Eine Schließung wäre die letzte Option.

Insgesamt empfiehlt die FDP vor einer Beschlussfassung eine detailliertere Prüfung eines Neubaus am Standort Strümp. Wenn heute die Alternative 1 beschlossen würde, wird eine solche Prüfung sicherlich in spätestens 10 Jahren fällig, wenn bereits 2.5 Mio. € in einem maroden Bad versenkt wurden. Es gilt jetzt richtig zu handeln, um etwas Nachhaltiges zu schaffen.

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Rettig
(Fraktionsvorsitzender)