Antrag: Alte Vikarie in Meerbusch-Osterath

Sitzung des Kulturausschusses am 11.05.2016

An den Vorsitzenden des
Kulturausschusses der Stadt Meerbusch
Herrn Georg Neuhausen
Dorfstr. 20

 

40667 Meerbusch

Meerbusch, den 06.03.2016

 


Antrag zur Sitzung des Kulturausschusses am 11.05.2016

 


Sehr geehrter Herr Neuhausen,

die FDP – Fraktion beantragt, der Verwaltung aufzugeben, zu prüfen und durchzusetzen, dass die Alte Vikarie in Osterath nicht verputzt wird.

Begründung:

Die alte Vikarie in Osterath wird zur Zeit saniert. Die MB-Denkmalschützerin Frau Roters hat im Kulturausschuss am 24.06.2015 angekündigt, das Haus solle wieder verputzt werden. In der letzten Woche wurde auf der Rückseite des Hauses Putz aufgebracht.

Wir finden das sehr unglücklich, da das Fachwerk an dieser markanten Stelle im Ortskern von Osterath einen besonderen Reiz hat.
 
Auf der Web-Seite des Meerbuscher Kulturkreises findet sich  die Aussage "Das traufständige, zweigeschossige, in Ständerbauweise errichtete Fachwerkhaus mit Krüppelwalmdach entstand im Kern vermutlich im 18. Jh."  An anderer Stelle (Begründung der Unterschutzstellung) wird berichtet, dass das Gebäude während des 30-jährigen Krieges (also zwischen 1618 und 1648) erbaut und erst Ende des 19. Jahrhunderts verputzt worden sei. Auch Gerner stellt in seinem Gutachten von 2002 fest "Das Gebäude ist aufgrund konstruktiver Merkmale, wie der ursprünglichen Geschossbauweise, in seinem Ursprung dem 17. Jahrhundert, wenn nicht sogar dem 16. Jahrhundert, zuzuordnen". Eine genauere Altersbestimmung durch eine Dendrochronologie scheint nicht vorzuliegen.

Es ist unstrittig, dass die alte Vikarie einmal verputzt war (vgl. beiliegendes Bild aus ca. 1950). Allerdings scheint es so zu sein, dass Fachwerkhäuser aus dem 17. Jahrhundert zunächst nicht verputzt waren, und erst später verputzt wurden. In der Arbeit von Bauer (1996) vom Landesamt für Denkmalpflege Hessen heißt es: 'Zusätzliche Wandverkleidungen an den Wetterseiten von Fach-werkbauten konnten bereits für das 16. Jahrhundert nachgewiesen werden. Trotz dieser relativ frühen Belege für ein Verkleiden von Fachwerkbauten muß jedoch konstatiert werden, daß eine weite Verbreitung der Wandverkleidung erst im 19. Jahrhundert stattfand. Viele Hausbesitzer gin-gen in dieser Zeit dazu über, ihre Häuser teilweise oder vollflächig mit Holzschindeln, Schiefer oder Ziegeln zu verkleiden, wobei das jeweils in der Region vorherrschende Material bevorzugt wurde. Darüber hinaus spielte seit dem späten 18. Jahrhundert die Verkleidung von Fachwerkbauten in Form von Putz eine zunehmende Rolle. Vielfach wollte man durch spezielle Putztechniken und -gestaltungen einen kostbaren Massivbau vortäuschen. Zugleich wird in der einschlägigen Literatur immer wieder betont, daß die obrigkeitlichen Behörden aus feuerpolizeilichen Gründen eine solche Vorgehensweise vorgeschrieben hätten.'

Wir gehen davon aus, dass das Gebäude entsprechend den Ansprüchen einer sorgfältigen Denkmalpflege restauriert wird (vgl. Strauß & Fischer 2006), und der Putz nicht der Verdeckung nicht behobener Mängel dient. Wenngleich ein Putz auch eine denkmalpflegerische Option sein mag, bitten wir um Prüfung, ob aus dem oben genannten Grund darauf verzichtet werden kann.

Sofern geplant ist, die Putzarbeiten in den nächsten Tagen und Wochen weiterzuführen, beantragen wir hiermit eine vorgezogene Sondersitzung des Kulturausschusses vor Beginn dieser Arbeiten.

 

Mit freundlichen Grüßen
Klaus Rettig
(Fraktionsvorsitzender)

       
Quellen und Abbildungen:

Bauer CH: Fachwerkbau und Wandverkleidung. Denkmalpflege in Hessen 1996, 1 & 2. http://www.denkmalpflege-hessen.de/LFDH4_Publikationen/Veroffentlichungen/Ausgabe_1_2_96/Fachwerkbau/fachwerkbau.html (Zugriff 6.3.2016)
Gerner M: Fachwerkhaus Hochstraße 20 in Meerbusch/Osterath. Gutachten zu Planung und Bauleistungen 2002
MeerbuscherKulturkreis (Webseite): http://denkmalgalerie.meerbuscher-kulturkreis.de/ component/option,com_gallery2/ Itemid,5/?g2_itemId=2522 (Zugriff 6.3.2016)
Strauß & Fischer: Schätzung des Aufwandes zur Instandsetzung des Fachwerkgebäudes Hochstraße 20 in Meerbusch-Osterath. August 2006