Antrag für die Sitzung des Ausschusses für Planung und Liegenschaften am 12.03.2020

Sitzung des Ausschusses für Planung und Liegenschaften am 03.09.2019

An den Vorsitzenden

des Ausschusses für Planung und Liegenschaften
der Stadt Meerbusch

Herrn Werner Damblon
Dorfstr. 20

40667 Meerbusch                       

Meerbusch, den 20.02.2020



Antrag zur Sitzung des Ausschusses für Planung und Liegenschaften am 12.03.2020



Sehr geehrter Herr Damblon,

 

die FDP beantragt, der Ausschuss möge folgenden Antrag beschließen:

 

Die Verwaltung wird beauftragt, (auch unter Machbarkeits- und Kostenaspekten) zu prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, bestehenden Wald in Meerbusch nachhaltig zu erhalten.

 

Weitere Details werden auf Wunsch in der Sitzung vorgetragen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Klaus Rettig

(Fraktionsvorsitzender)

 

 

Begründung:

 

Der vielfältige Nutzen des Waldes ist bekannt und unumstritten. Meerbusch und der gesamte Rhein-Kreis Neuss gehören zu den waldärmsten Regionen Deutschlands (vgl. Interview mit dem Landrat zum Zustand der Wälder im Kreis vom 18.09.2019). Seit einiger Zeit gibt es erhebliche Bemühungen des Kreises, den Wald zu vermehren(vgl. Aufruf des Landrats); damit sind allerdings nicht die Bürgerwäldchen, die vielerorts und auch in Meerbusch betrieben werden, gemeint.

 

Für die angestrebte Neuanlage von Waldflächen werden neue Flächen gesucht, kein leichtes Unterfangen bei dem derzeitigen hiesigen Flächendruck. Neupflanzungen werden zudem durch den Klimawandel erschwert - Meerbusch lag in 2019 in der für die meisten Bäume relevanten Tiefe von 1.8 m fast durchgängig im Bereich einer Dürre. Erst nach mehreren Jahrzehnten ist bei Neupflanzungen durch den dann älteren Baumbestand ein vergleichbarer Wert für den Klimaausgleich und die Tierwelt annähernd zu erreichen.

 

Daneben benennt der aktuelle Landesentwicklungsplan als landesplanerisches Ziel in 7.3-1 auch die Walderhaltung; darauf zielt unser Antrag ab.


Unter dem Motto Wald in Bürgerhandwird aus Remscheid in 2013 folgendes berichtet:

 

’Bürgerwald-Genossenschaft rettet Wald vor Abholzung: Gefährdet sind Eichen, Fichten und Buchen aber auch, wenn sie sich in privatem Besitz befinden. Im Laufe der Jahrhunderte wurden große Waldgrundstücke durch Erbfolgeregelungen immer kleiner. Eine Bewirtschaftung der kleinen Parzellen lohnt sich heute kaum noch. Viele private Besitzer verkaufen deshalb ihr grünes Erbe an Investoren. Deren Ziel: Geldverdienen. Das geht am besten mit diesem Rezept: kaufen, kahlschlagen, abtransportieren, weiterziehen! Solch „marodierende Holzhändler“ hat Markus Wolff in einer seiner Nachbargemeinden bei der Arbeit erlebt. Möglich ist das nur, weil in Nordrhein-Westfalen laut Landesforstgesetz bis zu zwei Hektar zusammenhängender Waldfläche – sofern es sich nicht um ein Naturschutzgebiet handelt – ohne jede Genehmigung kahlgeschlagen werden dürfen. Und schon ein schmaler Waldriegel genügt, um weitere zwei Hektar benachbarten Waldes abholzen zu dürfen. Gefallen hat dem Städtischen Forstdirektor in Remscheid im Bergischen Land diese Entwicklung so wenig wie den Bürgern der Nachbargemeinde. Markus Wolff wollte einen neuen Ansatz in der „Wald-Politik“. Und den hat er nun: In Remscheid hat im Jahr 2013 die erste Waldgenossenschaft Deutschlands ihre Arbeit aufgenommen.’

 

 

 

Wir haben zufällig gesehen, dass 2 Waldstücke in Osterath zum Verkauf stehen.

 

Infos aus der Anzeige (06.02.2020):

 

Web-Seite https://www.immobilienscout24.de
Grundstück 2 Waldstücke mit ca. 31.5000 qm und 73.500 qm
Angegebene Lage  Meyersweg 100, 40668 Osterath, Meerbusch (unspezifisch nach Rücksprache mit dem Verkäufer: in dem Winkel A44 südlich/A57 westlich; nördlich Schubert, wie im folgenden dargestellt)
Preis 2.45 €/qm
Erschließung Unerschlossen; aufgrund der örtlichen Gegebenheiten ist so gut wie kein Publikumsverkehr vorhanden
Nutzungsart Wald: Es handelt sich einen reinen Laubwald im wesentlichen aus ca. 55% Eiche, ca. 17% Hainbuche und ca. 11% Rotbuche. Alter der Bäume ca. 140-180 Jahre
Verfügbar ab ab sofort
Sonstiges Ideal für den Hobby-Forstwirt, der gerne an der frischen Luft sein Brennholz vorbereitet, den Naturliebhaber und als langfristige Wertanlage. Es ist kein Bauland, es wird nie Bauland werden, es dürfen auch keine Hütten oder Grillplätze/Zeltplätze angelegt werden, dies zur Klarstellung
Bewertung (eigene + BUND) Begehung am 18.02.2020 (Ausgangspunkt: Straße Zur alten Burg, Schubert-Gelände): Wenig Publikumsverkehr, was aus ökologischer Sicht vorteilhaft ist. Ortsrandlage. Wegen Autobahn sehr stark lärmbelastet. So gut wie kein Vogelgesang (zu laut für Revierabgrenzung, Balz). Professionelle Bewertung (z-B- Förster) wünschenswert.
Web-Seite https://www.rayani.de/immobilien.xhtml?obj=1&id[obj0]=764#.XkvG3rggiZk
Grundstück 1 Waldstück mit ca. 100.000 qm
Angegebene Lage Die Fläche wird eingefasst von den Straßen "Osterather-/Strümper Str.", "Grüner Weg" und der A57. Im Norden wird der Wald von der Baumschule Schubert begrenzt (eigene Darstellung)
Preis 3.00 €/qm (insgesamt 300.000 € + Provision: 3,57% vom KP inkl. MwSt)
Nutzungsart Land/Forstwirtschaft
Baumbestand: Laub- Mischwald (Buche, Esche, Eiche, Kirsche)
Bestockungsgrad: ca. 0,6 bis 0,7
Baumalter: 60 bis 100 Jahre
Sonstiges Es kann sofort mit der Holzernte begonnen werden. Ein Angebot über 250 Festmeter Eichen liegt vor (90€/Festmeter Æ22500 € !!). Im Falle der Mitgliedschaft bei der Forstgemeinschaft Neuss kann die Betreuung von der zuständigen Forstbehörde erfolgen. Der Mitgliedsbeitrag ist hier mit 218 € jährlich vergleichsweise gering.Der Grundsteuerbetrag liegt z.Zt. bei 7.05€ /Jahr.
Bewertung (eigene + BUND) Begehung am 18.2.2020 (Ausgangspunkt: StraßeZur alten Burg, Schubert-Gelände): Wenig Publikumsverkehr (ökologisch vorteilhaft). Ortsrandlage. Bisher sehr naturnah bewirtschaftet. Sehr viel ruhiger (Autobahnlärm) und damit vogelfreundlicher als W1. Zudem war dieses Waldstück struktur- und artenreicher, besonders auch die Vegetation im Bodenbereich (Bodenvegetation mit heimischen Blühpflanzen, Farnen, Moosen und Sträuchern). Im Vergleich schienen auch der Stammdurchmesser und damit das Alter der Laubbäume höher zu sein. Der Totholzanteil (ökologisch sehr wertvolles Totholz, liegend und stehend)  war erfreulich hoch. Die Lage dieses Waldstücks ist aus Sicht der profitierenden Tierarten auch günstig durch die angrenzenden Felder und die Nähe zu den Anglerseen. Professionelle Bewertung (z.B. Förster) wünschenswert.
Vermutliche Lage
Vermutliche Lage

Argumente, sich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen (Dank an den BUND Meerbusch für wichtige Infos)

 

Die Biotopvernetzung gilt als bedeutsames Instrument im Kampf gegen das Artensterben; wenn es sich bei der Fläche um die in obigen Karte markierte handeln sollte, liegt sie günstig im Hinblick auf eine Grünflächenvernetzung. Entlang der A57 gibt es fast durchgehend ein grünes Band. Es endet zwar abrupt an der Meerbuscher Straße, aber wenn die K9n nicht realisiert werden sollte und da-mit der Grüntunnel zur Strümper Seite hin erhalten bleibt, reicht das Netz schon fast bis zum Wald „Meerer Busch“.


Lage: Insbesondere bzgl. der Fläche W2 ist die unmittelbaren Nähe zu den landwirtschaftlich genutzte Flächen und besonders den beiden Wasserflächen/ Anglerseen ein großer Vorteil (gute Lebensbedingungen) z.B. für jagende Greifvögel und Fledermäuse, beide Artengruppen sind auf der Roten Liste der bedrohten Arten sehr präsent. Die zunehmende Trockenheit und Wärme durch den Klimawandel macht praktisch allen Tierarten zu schaffen.


Wertigkeit des Baumbestands: Es handelt sich um einen hochwertigen Baumbestand (Eiche, Bu-che. Zur Eiche: Diese Baumart ist wichtig für die Biodiversität in unseren Wäldern. Von allen hei-mischen Baumarten leben in und an der Eiche die meisten Insektenarten (vgl. waldwissen.net). Da die Insekten die Basis der Nahrungspyramide bilden, wird ihr starker Rückgang als einer der Hauptgründe für das Artensterben gewertet.

 

Baumwert: Der Baumwert ist erheblich; laut einer Rechnung aus dem Jahr 2007 (vgl. baumpflegeportal.de) liegt der volkswirtschaftliche Wert einer 100 Jahre alten Buche bei circa 660€ pro Jahr, insbesondere für den Klimaschutz. Zum ökologischen Wert finden sich zum Thema Habitatbäume im Wirtschaftswald auf www.waldwissen.net u.a. folgende Infos:


„Viele der heute vorhandenen, ökologisch wertvollen Bäume stammen zudem noch aus der Zeit der Mittelwaldwirtschaft (insbesondere Eichen, aber auch Kiefern und Buchen). Solche Bäume werden in den Hochwaldbeständen von heute nicht mehr entstehen, was künftig die Anzahl an geeigneten, wertvollen Habitatbäumen noch mehr reduzieren dürfte.“

 

„In bewirtschafteten Wäldern herrscht ein Mangel an alten, starken Bäumen, die im Naturwald einer Vielzahl an Arten Lebensraum bieten. Insbesondere Arten, die auf Totholz, Höhlen, Mulm oder andere Sonderstrukturen angewiesen sind, finden daher keine ausreichenden Lebensgrundlagen in bewirtschafteten Wäldern und viele sind in ihrer Existenz gefährdet.“

 

Lärm: Beide Waldstücke liegen im Bereich von Autobahnen (A44/A57) und schirmen den Norden Osteraths gegen Autobahnlärm ab. Die akustische Abschirmwirkung (Dämpfungsbeitrag) von Wald wird in der DIN ISO 9613-2 (Anhang A.1 "Bewuchs" ) zwar als nur gering eingestuft; neuere Untersuchungen kommen jedoch zu anderen Bewertungen: z.B. heißt es auf der Seite https://www.umwelt.sachsen.de/umwelt/42449.htm:

 

  • Durch aktive Schallschutzmaßnahmen in Form von Waldflächen kann eine deutliche Verbesserung des Schallschutzes in der Nähe von Verkehrslärmemittenten (Straße, Schiene, Bodenlärm an Flugplätzen) erreicht werden.
  • Besonders hohe Abschirmwirkungen werden erzielt, wenn sich Quelle und Empfänger in der Nähe des Baumbestandes befinden.
  • Für die Planung eines optimalen Schallschutzes durch Wald empfiehlt sich die Anpflanzung eines mindestens 100 m breiten Mischwaldes mit einem gestuften Waldrand.

 

Ökopool Flächen: Beide Waldflächen werden offensichtlich z.Z. nicht bewirtschaftet; ein neuer Eigentümer würde/könnte dies aber tun (vgl. insbesondere W2), und die wertvollen Bestände abholzen (bei Neupflanzung ökologisch weniger wertvoller Baumarten). Diesen Wald einer Bewirtschaftung zu entziehen und als Naturwald zu pflegen, könnte eine Verbesserung im Sinne einer Ausgleichsmaßnahme sein: alleine die Erhöhung des Totholzanteils ist eine nennenswerte Verbesserung  (vgl. https://www.waldwissen.net). Das ist durch die Verwaltung zu prüfen (vgl. auch Herr von der Leyen https://www.bloemersheim.de). Zur Kompensation der geplanten großflächigen Bebauung in der näheren Umgebung (Kalverdonksweg, Ivangsheide, Kamperweg etc.) werden ökologische Ausgleichsfläche benötigt (aber auch Nacherholung !).

 

Möglichkeiten bzgl. der Flächen:

 

  • Erhalt des Ist-Zustands
  • Verbesserung durch Entnahme der Fläche aus der Bewirtschaftung
  • Verbesserung durch Anlage von angrenzenden Krautsäumen, Hecken/Knicks in der Umgebung, Erhöhung des Totholzanteils.

 

 

Mögliche Modelle (Anregungen - von der Verwaltung zu prüfen; Kombinationen möglich):

 

  • Grunderwerb (Aufwertung, Biotopvernetzung, Aufnahme in Landschaftsplan) ist unserer Kenntnis nach anteilig förderfähig bei der Bezirksregierung in Düsseldorf (Antrag über den RheinKreis Neuss). Der Eigenanteil des Antragsstellers beträgt 20%; siehe
    https://www.umwelt.nrw.de/naturschutz/natur/foerderprogramme/foerderrichtlinie-naturschutzfoena/oder https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_text?anw_nr=1&gld_nr=7&ugl_nr=791&bes_id=1222&val=1222&ver=7&sg=0&aufgehoben=N&menu=1
  • Ankauf durch die Stadt als Ausgleichsfläche: wegen des bereits bestehenden ökologischen
    recht hohen Wertigkeit der Flächen sind die Verbesserungsmöglichkeiten eingeschränkt (weniger „Ökopunkte“ zu erwarten), aber noch gegeben, z.B. durch Entnahme aus der Bewirtschaftung und Aufwertungen. (vgl. https://www.lanuv.nrw.de/fileadmin/lanuv/natur/pdf/Hinweise_2005.pdf). Evtl. ist auch eine Einzelfallprüfung beim LANUV möglich.
  • Genossenschaftsmodell (vgl. www.waldgenossenschaft-remscheid.de; gefördert durch die
    Sparkasse Remscheid !!)
  • Vorbild Bürgerwäldchen: Die Stadt erwirbt den Wald zunächst; der Kaufpreis (z.B. 100€= 25qm * 4€) fließt im Laufe der nächsten Jahre durch engagierte Bürger oder engagierte Großsponsoren (Firmen, z.B. EPSON, komsa) in die Stadtkasse zurück. Auch bei ähnlichen Projekten andernorts werden Flächen z.B. Quadratmeterweise angeboten und verbrieft (Urkunde; evtl. mit Angabe der GPS-Koordinaten). Extensive Pflege erhält den ökologischen Wert, bzw. steigert ihn zusätzlich bei vergleichsweise geringen Unterhaltungs-/Pflegekosten. Im Gegensatz zum klassischen Bürgerwäldchen entfallen zudem die Kosten für den Pflanzeneinkauf und die Pflanzarbeiten.
  • Stiftungsmodell: zu recherchieren

 


Fazit: Den Zugriff (Kauf) auf diese „Schätzchen“ – in welcher Form auch immer (siehe oben: Modelle) – sollten wir uns nicht entgehen lassen und auch dann zugreifen, wenn eine Wertung als offizielle ökologische Ausgleichsfläche nicht möglich sein sollte. Solche Flächen kommen in unserer Gegend (im waldarmen Meerbusch im Grünen) nur sehr selten auf den Markt und sind besonders für Osterath wertvoll, insbesondere angesichts der geplanten großflächigen Versiegelung und Bebauung.

 

In einer Internet-Recherche haben wir festgestellt, dass die Preise für Waldgrundstücke erheblich variieren (0.50 € bis 4.50 €), auch in Abhängigkeit von der Art des Baumbestandes. Hier könnte die Verwaltung Hilfestellung leisten und auch mit den Verkäufern verhandeln. Insgesamt erscheint uns der Kaufpreis wegen der Werthaltigkeit vertretbar und der Wert der alten Bäume ungleich höher (siehe Rechnung oben). Auch der Pflegeaufwand wird im Verhältnis dazu finanziell überschaubar ausfallen.

 

Sofern die Flächen bereits einen Käufer gefunden haben, sind die Überlegungen weiter zu verfolgen.